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Archäologieprojekt der Kl. 6a

Bernhard Bischler entfacht im Klassenzimmer ein „Feuer“.

„Ich darf nicht einfach buddeln..."
Der Archäologe Bernhard Bischler entführt die Sechstklässler der Siegmund-Loewe-Schule in die Steinzeit und lässt Geschichte lebendig werden.

Funken schlagen. Ein erstes Fünkchen Glut flackert im abgedunkelten Klassenzimmer auf. Erster Rauch steigt auf, bevor Bernhard Bischler, Archäologe aus München, begleitet vom „Ah!" und „Oh!" der Schülerinnen und Schüler der Klasse 6A das entstehende Feuer wieder erstickt. Eigentlich hätte die Demonstration im Freien und durch Zugabe von Stroh noch eindrucksvoller ausfallen sollen, doch die anhaltende Feuchtigkeit macht dies unmöglich. Der Anschaulichkeit dieser neunzigminütigen Reise in die Steinzeit tut dies jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil! Am Anfang seines Vortrags erklärt der Referent die Frage, was denn ein Archäologe eigentlich mache. „Ich darf nicht buddeln, ich muss ordentlich graben", korrigiert Bernhard Bischler die Antwort eines Schülers und beschreibt im Folgenden seine Geduld erfordernde, spezialisierte und anspruchsvolle Tätigkeit, die eng einhergeht mit anderen Disziplinen wie der Klimaforschung oder der Botanik.

Oberstes Ziel dabei sei es, Näheres über das Leben der Menschen in früheren Zeiten zu erfahren. Früher, das wären in seinem Fall die Altsteinzeit und die Jungsteinzeit, d.h. die Epoche der nomadisch lebenden Jäger und Sammler sowie die der sesshaften Ackerbauern und Viehzüchter.

Nach den theoretischen Ausführungen folgt die unmittelbare Begegnung mit diesem Abschnitt der Menschheitsgeschichte. „Ich schaue in eure Gesichter und weiß genau, was ihr denkt: Das soll ein Werkzeug sein?", spricht Bernhard Bischler die Schülerinnen und Schüler an. Dabei hält er einen vermeintlich unscheinbaren Stein in die Höhe, lässt diesen mit einem Flusskiesel vergleichen und äußert die Behauptung, dass die Menschen der Eiszeit ohne diesen 100 000 Jahre alten Stein erfroren wären. Jedoch diente er nicht zum Feuermachen.

Mit diesem Rätsel und den beiden Steinen in der Hand setzen sich die SechstklässlerInnen auseinander, während der Referent die Zeit bis zur Auflösung mit einer Fragerunde überbrückt. In deren Mittelpunkt steht selbstverständlich Ötzi, der prominenteste Botschafter der Steinzeit. Bernhard Bischler, zu dessen größten Funden eine 3,5 km lange Römerstraße gehört, stellt die wechselvolle Geschichte zu den denkbaren Todesursachen vor - vom Erfrierungstod, über den Mord bis hin zu einer Unfalltheorie.

Die Auflösung, dass der mitgebrachte Stein zum Schaben von Tierhaut und damit zur Herstellung von Kleidung diente, überrascht schließlich alle. Mit einem bearbeiteten Feuerstein dürfen die Sechstklässler und Sechstklässlerinnen im Anschluss Leder schneiden. Dass dieser Stein schon 10 000 mal zum Schneiden benutzt worden sei, führt zur Frage, warum man dann heute Metall verwenden würde. Neben dem Umstand, dass die Herstellung eines Feuersteinmessers extrem teuer wäre, findet Bernhard Bischler die Antwort erneut in der Steinzeit, genauer in der Jungsteinzeit. Dazu hält er einen 7000 Jahre alten, geborstenen Axtkeil aus der Abfallgrube einer jungsteinzeitlichen Siedlung hoch und erläutert, dass dieser zum Fällen von Bäumen für die über 30 Meter langen Häuser der sesshaften Ackerbauern nicht geeignet gewesen sei. Mit dem weichen Kupfer, der Legierung Bronze und dem deutlich härteren Eisen hätten Metalle Einzug gehalten, die man leicht nachschleifen und reparieren konnte.

Mit dem „Schweizer Universalmesser der Altsteinzeit", einem 90 000 Jahre alten Faustkeil, geht es anschaulich weiter, bevor der Zahn eines Menschen aus der Jungsteinzeit gezeigt wird. Der abgeflachte, nicht mehr aus dem Kiefer ragende Zahn war durch den Steinstaubanteil im gemahlenen Mehl ebenso angegriffen wie durch den Verzehr von Honig, der Karies verursachte. Gruselig wird es, als Bernhard Bischler ausführt, dass der Schädel am Fundort darauf hinwies, dass ein vereiterter Unterkiefer die Todesursache gewesen sei.

Bevor abschließend im Klassenzimmer Feuer gemacht wird, dürfen die Schülerinnen und Schüler das Gelernte auf einen weiteren Gegenstand anwenden, der sich nach einer gezielten Beobachtung als Nachbau einer jungsteinzeitlichen Sichel aus Holz, Feuerstein und Birkenpech entpuppt. Mit Begeisterung und tosendem Applaus beantworten die Schülerinnen und Schüler die Frage, ob es ihnen denn gefallen habe.
Hpt

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