Zurück zur Startseite
Zurück zur Startseite
Siegmund-Loewe-Realschule> Aktivitäten> 2017-18> Der Landtag sind wir
Barrierefreie Version ladenAlle Links unterstreichenDruckansichtDiese Seite empfehlen

Realschüler schnuppern Landtags-Luft

Am Montag schlüpften 60 Zehntklässler der Siegmund-Loewe-Realschule in die Rolle fiktiver Volksvertreter. Sie diskutierten einen Gesetzesentwurf der SPD-Fraktion zu Reformen an Bayerischen Schulen.

SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Kalamala hat allen Grund zu strahlen. Der Antrag ihrer Fraktion zur Durchführung von Reformen an Bayerischen Schulen kam durch - und das gegen die in Bayern vorherrschende Alleinherrschaft der CSU; mit einigen Änderungen zwar, aber immerhin! „Im „realen Leben“ besucht Eva die zehnte Klasse der RS II und engagiert sich hier als Schülersprecherin.

Beim Planspiel „Der Landtag sind wir!“ - ein Kooperationsprojekt des Bayerischen Landtags und der Forschungsgruppe Jugend und Europa - schlüpfte sie, wie weitere rund 60 Zehntklässler ihrer Schule, in die Rolle von verschiedenen Politikern. Den ganzen Vormitttag hatten bereits in verschiedenen Klassenzimmern Fraktions- und Ausschuss-Sitzungen stattgefunden, eine erste Lesung und schließlich das Schlussplenum. Eröffnet wurden diese von der Alterspräsidentin, der 75-jährigen „Kunigunda Bauer“ - alias Ramona Haderlein, sowie der Landtagspräsidentin in Person von Natalie Großmann. Jedem Redner der im Landrat vertretenen Parteien wurde beim Schlussplenum die gleiche Sprechzeit eingeräumt. Dann wurde abgestimmt. Die SPD hatte den Gesetzesentwurf eingebracht, die Klassenwiederholung in sämtlichen Bayerischen Schulformen abzuschaffen und die gemeinsame Grundschulzeit von derzeit vier auf zukünftig sechs Jahre zu verlängern. Zudem sollte die maximale Klassenstärke für Grundschulen auf 20, für Mittelschulen auf 15 sowie für Realschulen und Gymnasien auf maximal 20 Schülerinnen und Schüler begrenzt werden. Hierfür sollen 10.000 neue Lehrerstellen geschaffen werden.

Ihre Rollen hatten sich die Zehntklässler nicht ausgesucht, sondern wurden ihnen zugeteilt. So hatten diese im Vorfeld ein individuelles Rollenprofil erhalten, bei der die Meinungen zu den einzelnen Themenpunkten dargestellt wurden. Dieses mussten sie vertreten – also nicht unbedingt die jeweils eigene Meinung. Betreut und angelernt wurden sie von Viola Frick, Simon Kirnberger und Stefan Ebert vom „Centrum für angewandte Politikforschung“. Durch eigenes Handeln, in diesem Fall Nachspielen, wolle man - so die Drei - zumindest ein Stück weit vermitteln, was es heißt, „Politik zu machen“.

Bei den Schülern kam das Planspiel sehr gut an. „Es war ein interessanter Vormittag, von dem ich viel mitnehme“, lobt Eva. Auch Marie, Luna und Xenia zeigten sich sehr angetan von der in ihren Augen sehr informativen Simulation. Allerdings hätten sie sich noch etwas mehr Zeit für die Diskussionen gewünscht. Sechs Schulstunden seien hierfür fast zu kurz gewesen. „Wir waren ja in der CSU und dementsprechend viele Mitglieder. Da ist es natürlich schwerer, zu einer gemeinsamen Meinung zu kommen, als bei den kleineren Parteien mit weniger Mitgliedern“, so die drei „CSU-Frauen“. In spielerischer Art und Weise habe man gelernt, wie eine Beschlussfassung abläuft - von der ersten Diskussion bis zur Abstimmung. Seitens der Schule zeichnete Studienrat Thomas Hauptmann für die Veranstaltung verantwortlich. Wie dieser ausführte, habe die Idee für das mittlerweile zum dritten Mal an seiner Schule abgehaltene Projekt vor Jahren ein junger Kollege aus München mit gebracht. „Dort wurde das Planspiel sogar direkt im Maximilianeum abgehalten. Das war natürlich noch realistischer“, erklärt Hauptmann. Die Schüler seien auch dieses Mal wieder voll dabei gewesen - so, als ob sie tatsächlich Landtagsabgeordnete seien.

„Live“-Einblicke in den politischen Alltag gaben Landtags-Vizepräsidentin Ulrike Gote (Bündnis 90/Die Grünen) sowie die SPD-Abgeordnete Susann Biedefeld, die sich bereitwillig den Fragen der interessierten Schüler stellten. Beide legten ihnen ans Herz, sich selbst für die Allgemeinheit zu engagieren. Der spätere Beruf spiele dabei keine Rolle. Jeder könne sich einbringen. Leider sei es in der Politik oft so, dass die Opposition Themen einbringe, die trotz stichhaltiger Argumente abgelehnt würden. „Die CSU hat halt die Mehrheit. Die befassen sich oftmals gar nicht damit, sondern lehnen das von vorneherein ab“, bedauerte Biedefeld. Diese Vorgehensweise habe ihr schon so manche schlaflose Nacht eingebracht. Auch Gote bestätigte, dass manches nach so langer Zeit - sie ist seit 1998 im Landtag - noch immer „richtig weh“ tue. Eine Alleinherrschaft sei grundsätzlich nicht gut für ein Bundesland - unabhängig davon, um welche Partei es sich dabei handele. „Die Demokratie lebt vom Wechsel“, waren sie sich einig. Beide werden nicht mehr für den Landtag kandidieren, obwohl sie die Zeit nicht missen und sich auch weiterhin politisch engagieren möchten. „Die 24 Jahre waren eine tolle Zeit und ich nehme viele Impulse mit“, so Biedefeld, die seit 1994 Landtags-Abgeordnete ist. Aber man müsse auch aufhören können. Es gebe genügend Politiker, die teilweise noch im hohen Alter an ihren Posten kleben würden, sicherlich ein Stück weit auch aus „Machtgeilheit“.

Große Themen, mit denen sich die Grünen derzeit beschäftigen, seien - so Gote auf Nachfrage der Schüler - der Klimaschutz als große Zukunftsaufgabe wie auch der soziale Bereich und hier insbesondere die Gleichstellung aller Personengruppen. Bezüglich der Flüchtlingsthematik lehnten beide Obergrenzen kategorisch - auch hinsichtlich des Familiennachzugs - ab. Vielmehr sahen sie darin auch große Chancen - Stichpunkt demografische Entwicklung und Fachkräftemangel. hs

Barrierefreie Version ladenAlle Links unterstreichenDruckansichtDiese Seite empfehlen