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Siegmund-Loewe-Realschule> Aktivitäten> 2016-17> Klassenzimmer wird zum Plenarsaal
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Klassenzimmer wird zum Plenarsaal

Am 24.02.2017 waren SPD-Bundestagskandidaten Doris Aschenbrenner und Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner, CSU, zu Gast bei der zehnten Jahrgangsstufe an der RS II. Sehr kontrovers diskutierten sie dabei über aktuelle Themen, die von den Realschülern an sie herangetragen wurden.

Es war ein vehement geführtes Rededuell, das sich die beiden Kontrahenten in der Siegmund-Loewe-Realschule lieferten. Wer meinte, dass beide bei der Schul-Veranstaltung einen "Gang herunterschalten" würden, irrte gewaltig. Einigkeit? Fehlanzeige.

Ausgangspunkt des Besuchs war ein Projekt des Sozialkunde-Unterrichts, in dem die Klassen 10 C, 10 D und 10 E je eine Partei mit Grundsatz- und Wahlprogramm "gegründet" hatten. Die darin erarbeiteten Themen bildeten die Diskussions-Eckpunkte des spannenden Schlagabtauschs. Die Fragen stellten Lukas Birnstiel, der das Wahlfach Politik und Zeitgeschichte belegt, sowie 2. Schülersprecherin Ramona Haderlein.
Befragt nach der Wohnsituation im Landkreis bemängelte Aschenbrenner das Fehlen attraktiver bezahlbarer Wohnungen. In der großen Koalition habe man auf Initiative der SPD das Bau-Förderprogamm "Soziale Stadt" aufgestockt. Der Staat könne zwar die Rahmenbedingungen schaffen, die Wohnsituation aber nicht alleine lösen, zeigte sich dagegen Baumgärtner sicher. "Hierfür bedarf es privater Investoren",sagte er. Dem mangelnden Wohnraumangebot wolle man durch die Ausweisung von Baugebieten entgegentreten. Die Situation in Kronach sei auch dem geschuldet, dass sich der Staat zu lange eingemischt habe. Die Wohnungsbaugesellschaft habe Wohnungen mit Mieten von zwei bis drei Euro pro Quadratmeter angeboten - mit dem Ergebnis, dass private Investoren hier kein Geld mehr reingesteckt hätten. Die Aussage Aschenbrenners, wonach Mieter in Kronach von GBW-Wohnungen nach der Pleite der Bayerischen Landesbank vor die Tür gesetzt worden seien, bezeichnete Baumgärtner als haltlos. Die 31-Jährige revidierte dann auch ihre Aussage.


Bezüglich des Gesundheitswesens sprachen sich beide Politiker gegen eine Zwei-Klassen-Medizin aus. Die von der Bundestags-Kandidatin geforderte Bürgerversicherung werde nach der Meinung Baumgärtners das Problem der Zwei-Klassen-Medizin nicht lösen, da diese erst in 25 Jahren wirke. Verärgert reagierte er auf Aschenbrenners Aussage, dass es in der Region einen "krassen Ärztemangel" gebe. "Solche Aussagen beschädigen die Region nachhaltig", ereiferte er sich. De facto sei man in Kronach in keinem Bereich unterversorgt, wobei beispielsweise ein weiterer Kinderarzt sehr wünschenswert sei. Dass man teilweise zwei Stunden lang in der Notaufnahme der Frankenwaldklinik warten müsse, sei aber - sprach Lukas Birnstiel aus eigener Erfahrung - nicht von der Hand zu weisen. "Bei der Klinik ist Handlungsbedarf da", bestätigte der Landtagsabgeordnete. Dies sei aber nicht Aufgabe der Politik, sondern der Selbstverwaltung. Ein Problem sei, dass in der Notaufnahme nicht ausschließlich Notfälle behandelt würden. Vielmehr kämen auch Patienten, die nichts von der Existenz eines Bereitschaftsarztes wüssten. Erfreulicherweise könne ab April 2018 eine Bereitschaftspraxis an der Klinik etabliert werden.
In Sachen Infrastruktur stellte der 43-Jährige das von Finanzminister Söder initiierte Breitbandförderprogramm mit Mitteln in Höhe von 1,5 Milliarden Euro heraus, in das auch alle Gemeinden im Landkreis aufgenommen seien. Leider gebe es derzeit nicht genug ausführende Firmen. "Die CSU ist eine Partei des Straßenbaus", sagte er und verwies auf den auf den Weg gebrachten Ausbau der B 173. Das Förderprogram sei - so die Diplom-Informatikerin - gut, aber zu kurzfristig gedacht. Meistens werde nur Kupferkabel verlegt. Besser wäre die teurere, aber leistungsfähigere Glasfaser-Technik. "Deutschland ist da teilweise noch Entwicklungsland", bedauerte sie.
Bezüglich der Freizeitangebote würdigten beide die Region als schöne Gegend mit vielen Möglichkeiten. Für den von der Politikerin in den Raum gestellten Freizeitsee im Süden sah der Abgeordnete keine Möglichkeit. Es sei keine passende Fläche vorhanden, zumal man eine Tiefe von 15 Metern für die geforderte Wasserqualität brauche. "Das ist faktisch nicht machbar", stellte er klar. Weit auseinander lagen die beiden auch beim Sicherheitsaspekt. Aschenbrenner sprach sich gegen eine Gesetzesverschärfung bei der Vorratsdatenspeicherung sowie eine Obergrenze für Flüchtlinge aus - allesamt Maßnahmen, die von Baumgärtner befürwortet wurden. Im "absoluten Ausnahmefall" kann sich dieser auch einen inländischen Bundeswehreinsatz vorstellen, was von seiner Diskussionspartnerin kategorisch abgelehnt wurde.


Stolze Lehrer
Initiiert wurde die Veranstaltung von Sozialkunde-Lehrer Thomas Hauptmann, der sehr stolz auf seine Schüler ist. Auch Direktor Uwe Schönfeld würdigte das besondere Parteien-Projekt. Vor Ort war auch Zukunftscoach Gabriele Riedel, die die Initiative des Landkreises Kronach "Chance Heimat" in Kooperation mit Kronach Creativ und dem Arbeitskreis SchuleWirtschaft vorstellte.

Heike Schülein

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