Zurück zur Startseite
Zurück zur Startseite
Siegmund-Loewe-Realschule> Aktivitäten> 2013-14> Lesung USA
Barrierefreie Version ladenStandardeinstellungen für Links verwendenDruckansichtDiese Seite empfehlen

Realschüler erlebten die USA „hautnah"
Am 08.10.2013 las Gregor Schweitzer aus seinem Buch „Hautnah USA - Vom Wahnsinn einer Traumgesellschaft". Die Realschüler erlebten zwei „abgefahrene" Lesestunden.

Total abgefahren", „Spannend" oder „voll cool" - Solche „Superlative" hört man von Schülern nach Autorenlesungen an ihrer Schule normalerweise nicht oft. Doch bei Gregor Schweitzer ist alles ein wenig anders.

Das beginnt schon mit seinem lässigen Erscheinungsbild. Im offenen Jeanshemd, darunter schwarzes T-Shirt sitzt er an diesem Dienstagmorgen in der Aula der Siegmund-Loewe-Schule auf einer kleinen „Bühne", daneben der Gitarrist Jan Beukenberg - ebenfalls salopp „gestylt" mit Karohemd und Jeans. Dann geht es los, und wie! Um den heißen Brei herumreden, ist offensichtlich nicht die Sache von Gregor Schweitzer. Ohne langes „Blabla" steigt er sofort ein und nimmt die erst einmal reichlich verblüfften Schüler mit auf seinen abgefahrenen Trip in die USA, bei dem er über ein Jahr lang - als Deutscher, unerkannt in einem fremden Land und auf eigene Faust - das „Mutterland des Pennertums" kennenlernen konnte ... Amerika!"

Er selbst beschreibt sein Buch als „donnernden Roadtrip, bei dem keine Zeit vergeudet, nicht lange gefackelt und alles schlank, muskelhart und gleich auf den Punkt gebracht wird und zwar zielsicher wie¿n Apachenpfeil, bissig wie ¿ne Klapperschlange, gewaltig wie ¿ne Kerouacsche Dampflok und trocken wie Thors Vorschlaghammer." Damit hat er nicht zu viel versprochen: Sein Buch strotzt nur so vor Humor und Ironie. Der Jargon ist unkonventionell, die mit Farben und Metapher gespickte Sprache pulsierend. Sein unverwechselbarer und außergewöhnlicher Schreibstil ist genau passend für ein ebenso außergewöhnliches und mitreißendes Buch über die vermeintliche Traumgesellschaft der USA. Jenseits aller Hochglanz-Reiseprospekte zeichnet er dabei ein ganz eigenes Bild hinter der Traumfassade USA, farbenfroh und bunt, voller Leben und zum Schmunzeln anregend - mitunter aber auch erschreckend und bestürzend, wenn er über beispielsweise die Armut, die Rassenproblematik oder die ständige Präsenz der Polizei dargestellt. Es ist eine einzige Achterbahnfahrt, realistisch und ungeschönt, Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Aber wer will schon ausruhen bei einem solchen Buch und 63 Episoden voller Kraft, Ironie und Wahrheit? Die Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn an der RS II auf jeden Fall nicht. Die gingen nämlich voll mit, was durchaus gewollt war.
Dafür sorgte nicht allein nur der Autor, der - genauso lässig wie der Jargon seines Buches -verschiedene Passagen daraus vorstellte und dabei ganz schön laut werden konnte. Zum anderen war es aber auch Jan Beukenberg, der mit seiner Gitarre stimmigen Country Blues zum Besten gab, ebenfalls auf seine ganz eigene Art und Weise. Da wurde mit geklatscht, mit gewippt und mitgesungen, während auf einer Leinwand Bilder der Reise zu sehen waren. Doch es entstanden auch ganz eigene lebendige Bilder vor den Augen des jungen Publikums. Man kam sich fast so vor, als ob man auf dem Beifahrersitz diesen Trip miterlebt.

So sahen es auch die beiden Achtklässler, Sven Bernd aus Wolfersgrün und Lukas Sigmund aus Thonberg. „Ich hatte eigentlich etwas komplett Anderes erwartet - einen Art Vortrag über die USA, verbunden mit einer Lesung", erzählt Sven. Die Autorenlesung habe ihm sehr gut gefallen. Gut fand er vor allem auch die Art, wie Schweitzer gelesen habe - nicht so monoton oder langweilige wie manch andere Autoren, sondern mitreißend und spannend. Cool fand er auch die Musik, die zusätzlich noch aufgelockert habe. Die beiden Schulstunden seien viel zu schnell vergangen. Lukas fand die Lesung außergewöhnlich und sehr interessant. Sie habe neugierig gemacht, aber auch zum Nachdenken angeregt. „Er hat viel aus seinem Buch vorgelesen, das fand ich gut. Die Bilder und die Musik passten gut dazu. Ich würde schon gerne einmal in die USA fahren und das Land kennenlernen", meint er.
Damit ist ein Ziel des Autors schon einmal aufgegangen. Der freie Schriftsteller und Literaturagent mit eigener Literaturagentur möchte mit seinem Buch neugierig auf das Land machen, aber auch allgemein die Jugendlichen mehr zum Lesen von Büchern animieren. „Ich empfinde es schon als Ehre, als sozialkritischer Autor, der normalerweise nicht so gerne - und schon gar nicht an Schulen - gesehen ist, hier im Landkreis vorlesen zu dürfen", freut er sich. Sicher zeigt er sich, dass man gesellschaftspolitischen Vorgängen auf den Zahn fühlen und an der Wurzel arbeiten müsse. „Ich kann Geschichten erzählen, die ein „normal sterblicher" Tourist nicht mitbekommen hätte. Darum geht es auch, nämlich hinter die heile Fassade des „American Dream" zu schauen", erklärt er. Das junge Publikum in Kronach fand er „wunderbar". So sei beispielsweise nach dem Auftritt ein 14 Jahre altes Mädchen auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob es das Buch auch als Hörbuch gibt, worüber er sich sehr gefreut habe. Ein Hörbuch sei tatsächlich in Planung.

Schulleiter Uwe Schönfeld war bei einer Internet-Recherche auf Schweitzers Buch aufmerksam geworden - insbesondere aufgrund der Rezensionen. „Das Buch ist ganz anders als die Hochglanz-Bücher über die USA und was sonst auf dem Markt ist. Er war selbst dort und hat sich auch mit einfachen Leuten unterhalten. Er weiß, dass es an den Wurzeln krankt und dass es dort viele mittellose Menschen gibt, die kaum eine Chance haben, aus der unteren Schicht rauszukommen", zeigt sich Schönfeld sicher. Schweitzer zeige die Kehrseite der USA. „Das ist ein wirklich gelungenes, unterhaltsames, hochinteressantes und kurzweiliges Buch", lobt er. Für ihn als Schulleiter mit dem Bildungsauftrag, die „Landeskunde USA" dem Schüler näher zu bringen, bedeute es eine echte Alternative zu den 08/15 - Lehrwerken der Schulbuchverlage. hs
Über den Autor in Kürze: Gregor Schweitzer wurde am 24. Dezember 1959 geboren. Abitur, Offizier bei der Bundeswehr. Anschließend Studium der Ethnologie, Hethitologie und Amerikanische Kulturgeschichte an der LMU-München, Abschluss M.A. phil. USA-Reise vom 14.10.1992 bis 23.11.1993.

Artikel von Heike Schülein

Barrierefreie Version ladenStandardeinstellungen für Links verwendenDruckansichtDiese Seite empfehlen