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Siegmund-Loewe-Realschule> Aktivitäten> 2012-13> Medienerziehung "Klicksalat"
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Nur ein Klick zuviel.....dann hast du den Salat!

Jörg Kabierske, der Initiator von „Klicksalat" referiert an der Siegmund-Loewe-Schule über die Gefahren der neuen Medien und zeigt Lösungswege auf.

„Das Internet kann uns mündiger, Software kreativer, das Mobiltelefon beweglicher und der PC effektiver machen", heißt es im Vorwort der Broschüre „Die neuen Medien - Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer" von Jörg Kabierske. Der 45-jährige zweifache Familienvater aus Regensburg ist Begründer der Initiative „Klicksalat", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Medien-Sicherheitstraining anzubieten. Zunächst konzentrierte sich der mit einer Lehrerin verheiratete Kabierske auf die Unterweisung von Erwachsenen, bevor er Schritt für Schritt seine Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler öffnete. Weit über 500 Schulen hat er mittlerweile im gesamten Bundesgebiet besucht und dort vor Ort mit den Usern, wie es so schön Neudeutsch heißt, über die Gefahren der selbstverständlich zu unserem Alltag gehörenden neuen Medien gesprochen. Dabei betont er von Anfang an, dass er alles andere als ein „Bildschirmhasser" sei, der mit Verboten dem Boom von PC, Internet und Handy in unserer Lebenswelt begegnen will. Im Gegenteil. Kabierske macht klar, dass die Vorteile unbestritten sind, „wenn wir" - so das eingangs angeführte Zitat weiter - „mit Herz und Verstand agieren".
Auf Einladung des Elternbeirats der Siegmund-Loewe-Schule fand sich der „Klicksalat"-Initiator am Donnerstagabend um 19:00 Uhr in der Aula der Realschule ein, um vor Eltern und Lehrkräften darzustellen, welche Tücken die neuen Medien für uns alle bergen. Der Vortrag stand unter dem Motto „Sinnvolle Grenzen ziehen und Absprachen treffen". Nach Jörg Kabierskes Ansicht fühlen sich viele Eltern im Umgang mit den neuen Medien verunsichert, da sie entweder nicht über das technische Know-how verfügen oder schlichtweg den Überblick verloren haben im World Wide Web. Wieder anderen ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, auf was sie sich mit dem Kauf eines Smartphones oder dem Aufstellen eines PCs mit Internetzugang im Kinderzimmer einlassen.
Daher ging es in dem 90-minütigen Referat auch um die Frage, wie ich als Vater oder Mutter die Nutzung des Internets, von PC-Spielen oder des Handys steuern und mit technischen Hilfsmitteln begrenzen kann. Die Behauptung vieler Kinder, sie müssten für die Schule am Computer etwas recherchieren, entlarvte er als fadenscheinig. In den meisten Fällen sei diese Recherche nach wenigen Minuten abgeschlossen, werde aber durch Chatanfragen oder Computerspiele in eine mehrstündige Sitzung vor dem Bildschirm ausgedehnt.
Raus mit dem internetfähigen PC aus dem Kinderzimmer, lautete die einfache Botschaft. Das leistungsfähigere Gerät sollte in der Wohnung an einem Platz stehen, wo auch Eltern mit einem kurzen Blick über die Schulter ihres Kindes sicherstellen könnten, was gerade auf dem Schirm abläuft. Im Kinderzimmer sollte, wenn überhaupt, ein Rechner für einfache Office-Anwendungen vorhanden sein, mit dessen Hilfe man z.B. das Handout für ein Referat vorbereiten könnte.
Ähnlich sah Jörg Kabierskes Vorschlag für die Nutzung des Mobiltelefons aus. Häufig müsse man sich anhören, dass es notwendig sei, die Kinder immer und überall zu erreichen, z.B. wenn die Schule früher als erwartet endet oder ein Bus nicht gekommen ist. Für derartige Fälle genüge ein einfaches, schlichtweg nur für das Telefonieren konzipiertes Handy ohne weitere Funktionen wie Internetzugang, Bluetooth, Mp3 oder Kamera.
Gerade wenn die letzte Funktion nicht gewährleistet sei, könne auch die Gefahr des „Happy Slapping" gebannt werden. Hinter diesem verharmlosenden englischen Begriff verbergen sich die Internetfilme, in denen Gewaltexzesse gegen Mitmenschen per Handykamera gefilmt worden sind. Jörg Kabierske räumte in seinem Vortrag diesem Thema sehr viel Zeit ein, um vor allem auf die Gefahren des Cybermobbings einzugehen. Er beschönigte dabei nichts und nahm die Eltern der Mobbingopfer, aber auch besonders die der Täter in die Verantwortung.
Die einen forderte er auf, alle zur Verfügung stehenden Mittel ab dem kleinsten erfassbaren Vorfall einzusetzen, um diese Entwicklung aufzuhalten, bevor sie für das betreffende Kind eine erdrückende Last werden würde. Nicht selten, so Kabierske weiter, sehen Kinder und Jugendliche keinen anderen Ausweg aus dieser erdrückenden Situation als den Freitod. Beispiele für solche Tragödien an anderen Schulen untermauerten seine Forderung.
Die anderen, die Väter und Mütter der Täter, die das Verhalten ihrer Söhne und Töchter eigentlich nicht wahrhaben wollten, rief er zu einem offenen und schonungslosen Umgang mit diesem Fehlverhalten auf, wobei die gemeinsame Entschuldigung gegenüber dem gemobbten Kind oder Jugendlichen noch die leichteste Aufgabe sei.
Vom Cybermobbing war der Weg nicht wirklich weit zum sozialen Netzwerk Facebook. Auf Nachfrage räumte ein Großteil der anwesenden Eltern selbst ein, dort angemeldet zu sein. Mittels eines satirischen Filmbeitrags zeigte der „Klicksalat"-Initiator auf, was sich wirklich hinter dem vermeintlichen Knüpfen freundschaftlicher Kontakte verbirgt: ein knallhart kalkulierter Zugang zu persönlichen Daten, die von Facebook gewinnbringend an Unternehmen und andere Interessenten verkauft werden.
Doch nicht nur deshalb warnte Jörg Kabierske eindringlich vor der Preisgabe allzu persönlicher Daten im Internet und insbesondere auf diesen sozialen Netzwerken. So hätten nicht nur Bemerkungen über andere Personen, z.B. den eigenen Chef, nichts im Netz verloren, sondern auch Privataufnahmen mit intimen Charakter. Gerade Kinder und Jugendliche nutzen die neuen Medien und äußern sich in Chats lautstark über Lehrerinnen, Lehrer, Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. Dabei schlagen sie mitunter einen Ton an, der vermeintlich „lustig" oder „scherzhaft" gemeint ist, jedoch die Würde des anderen Menschen herabsetzt.
Mit allzu freizügigen Privataufnahmen bieten sie Angriffsfläche für Mobbingattacken oder rücken ins Visier Pädophiler und Krimineller. Dies zu verhindern und Kinder und Jugendliche vor solchen Attacken zu schützen, war ein weiteres großes Anliegen des Referenten.
Diese brisanten Themen nahmen viel Zeit in Anspruch. Dennoch blieb genug Raum für die Klärung von Fragen nach dem Urheberrecht, dem richtigen und vor allem kostenfreien Download, z.B. von Musik und Filmen, aus dem Internet. Darüber hinaus wurden Vorschläge gemacht, wie viel Zeit ein Kind oder ein Jugendlicher vor dem Bildschirm verbringen darf. In diesem Zusammenhang stellte sich fast schon selbstverständlich die Frage nach der Computersucht und wie man sie erkennen und kurieren kann.
Die Fülle dessen, was die neuen Medien an Fragen, Problemen und Schwierigkeiten aufwerfen, konnte zwar nur bedingt in einem Vortrag von 90 Minuten Platz finden. Dennoch hatte Jörg Kabierske am Ende der Veranstaltung sicherlich so manchen nachdenklich nach Hause entlassen und den Blick auf den Computerbildschirm oder das Handydisplay geschärft.
Am nächsten Tag, Freitagvormittag, 19.10.2012, wiederholte der „Klicksalat"-Initiator seine Ausführungen in drei Vorträgen für die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6., der 7. und 8. sowie der 9. und 10. Jahrgangsstufe. Obwohl er am Vortag zu Recht die Eltern in die Verantwortung genommen hatte, konnte er nicht umhin, dies auch den Kindern und Jugendlichen klarzumachen, die oftmals gar nicht wüssten, was sie mit ihren leichtsinnigen Eingaben für Probleme für sich, aber auch andere auslösen würden. Facebook und Cybermobbing, Internetabzocke und Urheberrechtsfragen standen selbstverständlich im Zentrum der Vorträge. Auch wenn hier mancher Lehrfilm und Wortbeitrag zunächst mit einem Lächeln, Kichern oder dem einen oder anderen coolen Kommentar bewertet wurde, so machten doch die immer wieder auftauchenden Fragen deutlich, dass das Dargestellte berührte und zum Nachdenken anregte. Alle Anwesenden, ob Eltern, Lehrkräfte oder eben die Schülerinnen und Schüler waren sich am Ende der beiden Veranstaltungen hoffentlich über eines klar: „Das Internet kann uns mündiger, Software kreativer, das Mobiltelefon beweglicher und der PC effektiver machen, wenn wir mit Herz und Verstand agieren." - Selbstverständliches klingt einfach, Verantwortung wiegt schwer! - Tragen wir also Sorge, dass Verantwortungsbewusstsein selbstverständlich wird.

HPM

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