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Siegmund-Loewe-Realschule> Aktivitäten> 2013-14> Misereor - Fastenaktion
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Die „Weltkirche“ zu Besuch

Am Freitag wurde den Neuntklässlern der RS II die „Weltkirche“ nahegebracht und zwar in Person von Roberto Turyamureeba. Der Comboni-Pater erzählte über seine Heimat Uganda.

Herzlich umarmt Roberto Turyamureeba die Neuntklässlerin Lena. „Buhoro, buhoro, buhoro gye!“, sagt er. „Eego“, erwidert die Schülerin freundlich. „Agandi?“, fragt der Pater; worauf die Gymnasiastin mit „Nimarungi“ antwortet. In Uganda bedeutet dieses Begrüßungszeremoniell in etwa „Schön, dich zu sehen“ und „Wie geht’s dir?“ mit den Antworten „Ich freue mich auch, dich zu sehen“ sowie „Es geht mir gut und dir?“. Die Umarmung gehört zu einer ganz normalen, herzlichen Begrüßung in Uganda dazu. Der Missionar fordert nun alle Neuntklässler auf, es ihm gleich zu tun und ihre Sitznachbarn entsprechend willkommen zu heißen. Gerne kommen sie dem nach. Plötzlich sieht man jede Menge Umarmungen und noch mehr lachende Gesichter.

Keine fünf Minuten brauchte der Pater bei seinem Besuch an der Siegmund-Loewe-Schule, um die Schüler und Schülerinnen für sich einzunehmen. Und auch sonst liefen die beiden Schulstunden anders ab, als es sich die meisten Neuntklässler wohl vorgestellt hatten. Seit März 2013 ist der in Uganda geborene Geistliche auf Initiative von Erzbischof Ludwig Schick Mitarbeiter im Referat „Weltkirche“ im Erzbischöflichen Ordinariat. In der Fastenzeit berichtet er in Pfarrgemeinden und Schulen über seine Heimat, dem Schwerpunktland der diesjährigen Misereor-Fastenaktion. Wer nun aber einen trockenen Vortrag nach dem Motto „Einer redet, alle anderen hören zu“, erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt.

Quicklebendig, immer einen flotten Spruch auf den Lippen und nie um eine schlagfertige Antwort verlegen, suchte der Missionar von Anfang einen lebendigen Austausch mit den Schülern. „Ich komme gerne mit jungen Menschen wie euch ins Gespräch. Ihr seid die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Kirche“, so der studierte Religionspädagoge, der mit ihnen - wie er sagte - „seelisch“ nach Uganda fliegen wolle. Und diese Reise nach Afrika hatte es in sich.

„Das Motto „Mut ist zu geben, wenn alle nehmen“ der diesjährigen Misereor-Fastenaktion hat das Ziel, die Solidarität mit Menschen in anderen Erdteilen voranzubringen“, erklärte Turyamureeba bei der Vorstellung des Hilfswerks und des Jahresthemas. 2014 gehe die Fastenaktion die Ursachen des weltweiten Hungers an und befasse sich mit der Frage, wie unser Lebensstil mit den Lebensbedingungen der Menschen in den Ländern des Südens zusammenhängt. Damit wolle Misereor auf aktuelle Projekte hinweisen, bei denen bereits erfolgreich Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird. Zum anderen wolle man für die herrschenden Notstände in der Welt sensibilisieren und Anregungen geben, um die Thematiken in die Gemeinden weitertragen und die Spendenbereitschaft zu erhöhen.

Anschaulich vermittelte er sein Wissen über Uganda mit seinen 35,6 Millionen Einwohnern, von denen 87 Prozent Christen sind. Die Lebenserwartung liegt bei Männern und Frauen bei gut 50 Jahren. Die Gesundheitsversorgung ist schlecht. Fünf Ärztinnen versorgen 100.000 Einwohner. 30 Prozent der Menschen haben keinen Zugang zur medizinischen Versorgung und nur 66 Prozent haben Zugang zu sauberem Wasser. 84 Prozent der Ugander leben auf den Land unter schwierigen Lebensbedingungen. Die Kleinbauern sind Wetterkapriolen ausgesetzt. Die Ugander sind eine sehr junge Generation. 40 Prozent von ihnen sind bis 30 Jahre alt. Mangelernährung und HIV/Aids-Prävalenz sind hoch. Seine Schilderungen untermalte der Pater mit Bildern und Filmen, die die Lebensbedingungen insbesondere von Kindern; aber auch Erfolge der Misereor-Projekte zeigten.
„Ihr seid die Zukunft, eure Entscheidungen sind wichtig. Deutschland ist keine Insel, sondern spielt mit anderen Ländern das Spiel des Lebens“, appellierte er an die Jugendlichen, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen. Dabei stellte er die Frage, was jeder einzelne tun könne, damit es den Menschen dort besser geht. Die Neuntklässler hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei fragten sie beispielsweise nach seinem Werdegang und seiner Kindheit. Heimweh habe er nicht, meinte der Pater und ergänzte: „Die Kirche ist Familie - egal wo und in welchem Land ich bin. Der Glaube verbindet.“ Zudem habe er durch die neuen Medien Kontakt mit seiner Familie. Das schönste an seiner Arbeit sei für ihn die Begegnung mit vielen Menschen.

Gemeindereferent Martin Förtsch hatte die Neuntklässler sowie Turyamureeba willkommen geheißen. Der Besuch des Paters, zu dem Religionslehrer Alfred Zwosta den Kontakt hergestellt hatte, sei eine wertvolle Ergänzung zum derzeitigen Religionsunterricht-Thema „Kirche und was sie tun soll“. Durch dessen Ausführungen könne man über den Tellerrand hinaussehen und man erfahre Dinge, die niemand von uns je erleben werde. Damit könne das Problembewusstsein geschärft werden. Seit vielen Jahren zeige die RS II großes Engagement beispielsweise durch den alljährlichen Sponsorenlauf als auch die Solibrot-Aktion, deren Erlös heuer Uganda zugutekommt.
Die „etwas anderen“ Religionsstunden kamen gut beim jungen Publikum an. „Sehr interessant und lehrreich“, so der einhellige Tenor. Lena Zug, die der Pater anfangs so herzlich begrüßt hatte, meinte: „Ich fand am besten, dass er uns Schüler mit einbezogen hat“. Sie habe einiges Neues erfahren, das sie vorher noch nicht gewusst hätte. Die Neuseserin nimmt auf alle Fälle einiges für sich mit und sie will auch ihr eigenes Verhalten überdenken.

Roberto Turyamureeba: stammt aus der Erzdiözese Mbarara in Uganda. Nach seinem Studium der Erziehungswissenschaften leitete er ein kirchliches Gymnasium. Nach Eintritt in den Orden der Comboni-Missionare ging er nach Europa und studierte in Innsbruck Theologie und Religionspädagogik. Die Priesterweihe empfing er am 12. Februar 2011. Danach war er in der Jungend- und Ministrantenarbeit sowie der missionarischen Bewusstseinsbildung im Bistum Rottenburg-Stuttgart tätig. Seit März 2013 ist er für die Bildungsarbeit im Referat „Weltkirche“ des Erzbischöflichen Ordinariats in Bamberg angestellt.

Heike Schülein

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