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Indischer Besuch im Landkreis

Am Donnerstag war Weihbischof Theodore Mascarenhas aus Indien zu Besuch im Landkreis. Vormittags brachte er den Neuntklässlern der RS II und den Siebtklässlern der Mittelschule Kronach sein Heimatland näher.

Kronach- Fröhlich lachende Kinder - aber auch solche, die schon von Klein an arbeiten hart arbeiten müssen; genau wie die Witwe, die für einen Wochenlohn von 5 Euro von früh bis spät Müll durchwühlt. Wunderbare blühende Landschaften auf der einen, ausgedörrte Landschaften auf der anderen Seite. Wolkenkratzer für die reiche Bevölkerung und High-Tech-Unternehmen, während die Hütten in den Armenviertel einzustürzen drohen. Indien: Ein Land der Gegensätze, arm und reich, multiethnisch und multireligiös!
Die alljährlich in der Fastenzeit stattfindende Misereor-Fastenaktion steht heuer unter der Leitwort-Frage „Heute schon die Welt verändert?“. Mit dieser Frage lenkt die Fastenaktion den Blick auf die gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung: bei uns in Deutschland und im Beispielland Indien. Als Gast der diözesanen Fastenaktion stellt Weihbischof Theodore Mascarenhas - Generalsekretär der indischen Bischofskonferenz - noch bis Sonntag an verschiedenen Stationen in der Erzdiözese Bamberg Themen und Probleme seiner Heimat vor. Dazu gehört auch die Sorge um die Armen und Ausgegrenzten, wie die Kastenlosen und Ureinwohner in Indien.

Im Rahmen seiner Tour verweilte er am Donnerstag im Landkreis Kronach. Der Besuch am Schulzentrum kam erneut auf Initiative und unter Organisation vom Religionslehrer der Siegmund-Loewe-Realschule, Alfred Zwosta, zustande. Am Donnerstagvormittag war der Weihbischof dabei jeweils für zwei Schulstunden an der RS II und anschließend in der Gottfried-Neukam-Mittelschule. In Filmvorträgen wurden den Neunt- beziehungsweise Siebtklässlern die teilweise katastrophalen Lebensverhältnisse in den Armenvierteln bildhaft vor Augen geführt. „Obwohl es offiziell abgeschafft ist, ist das Kastensystem noch immer in den Köpfen der Bevölkerung vorhanden“, erklärte er. Die Menschen verblieben Zeit ihres Lebens in der Kaste, in die sie hineingeboren worden seien. Ein „Aufstieg“ sei nicht möglich. Schwer hätten es in Indien auch die Mädchen, die in vielen Familien „unerwünscht“ seien. Oftmals gingen diese nicht in die Schule, sondern müssten den ganzen Tag über arbeiten. Andere Kinder wiederum könnten die Schule zwar besuchen, müssten aber teilweise jeden Tag dafür acht Kilometer laufen und dabei mehrere Flüsse ohne Brücke überqueren. Weit entfernt - nicht selten bis zu 100 Kilometer - seien oftmals auch Ärzte oder Kliniken. Meist bestünden die Dörfer zu zwei Dritteln aus Armenvierteln. „400 Millionen Menschen können in Indien nur einmal am Tag essen und trinken“, verdeutlichte er.

Das katholische Hilfswerk will am Beispiel Indiens darauf hinweisen, wie wirksam scheinbar kleine Beiträge beim Erreichen eines besseren Lebens für viele sein können. Gleichzeitig will man zeigen, dass neue Fragen aus dem Zusammenhang von Armut, übermäßigem Ressourcenverbrauch und Klimawandel neue Lösungsansätze brauchen. Vorstellungen vom guten Leben unterscheiden sich je nachdem, wo und in welchen Umständen Menschen leben. Sie hängen davon ab, ob Menschen in Deutschland oder Indien leben, hungern oder gut ernährt sind, Zugang zu sauberem Wasser haben oder nicht, gesund oder krank sind, ihre natürlichen Lebensbedingungen intakt oder zerstört sind, ob und welche Bildung sie erhalten haben, welches Geschlecht, welche Einstellungen und Gewohnheiten sie haben. Die Fastenaktion will sensibilisieren und zum Mithelfen motivieren.
So gab es in den Filmen auch mitmachende Projekte zu sehen - von Personen oder Institutionen, die durch ihren Einsatz die Welt schon etwas verändert haben. Hierzu gehört Schwester Dorothy Fernandez, die sich für die Ärmsten vor Ort einsetzt, oder auch der Bau von Brunnen durch das Hilfswerk Caritas: Hilfe zur Selbsthilfe, worum es Misereor insbesondere geht. „Wir wollen den Menschen beim Aufbau helfen, damit sie sich selbst versorgen können“, erklärte der Weihbischof, der die Struktur seines Heimatlandes vorstellte mit einer Fläche zwölf Mal so groß wie Deutschland. Es gibt 29 Bundesländer; die Bevölkerung umfasst 1,3 Milliarden Menschen verschiedener Kulturen. Gesprochen werden 18 Sprachen und über 2000 Dialekte. Den überwiegenden Anteil - 80 Prozent - der Bevölkerung bilden die Hindus. Dem entgegen steht ein Anteil von 2,3 % an Christen, die oft angefeindet würden.

Begleitet wurde der indische Gast auch von Pater Roberto Turyamureeba vom Referat „Weltkirche“ des Erzbischöflichen Ordinariats in Bamberg. Der aus Uganda stammende Missionar war bereits mehrmals zu Gast am Schulzentrum. „Es ist uns ein Anliegen, gerade auch mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Sie sollen erfahren, wie es Menschen in anderen Ländern geht und gleichzeitig überlegen, wie gut wir es selbst haben“, appellierte er. Jeder Einzelne solle sich fragen, wie er mit der Umwelt umgehe und was er für Verbesserungen tun könne. Dem schloss sich die Religionslehrerin der Mittelschule, Claudia Fischer, an. „Überlegt, was, wann und wo ihr kauft“, legte sie den Schülern einen bewussten Konsum ans Herz.

Der „Blick über den Tellerrand“ kam erneut sehr gut bei den Schülern an. Der Vormittag sei sehr interessant und lehrreich gewesen, habe zum Nachdenken angeregt und manch Neues vermittelt, so der einhellige Tenor. Nachmittags besuchte die Delegation das Jugendhaus „Am Knock“ in Teuschnitz, wo ebenfalls Schulklassen deren Ausführungen zuhörten. Abends feierte der Weihbischof in der Wickendorfer Kirche die Heilige Messe, bevor er anschließend im Pfarrsaal ebenfalls zum Thema „Heute schon die Welt verändert?" sprach.

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