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Realschüler „schnuppern“ in den Beruf des Schreiners

Seit Beginn dieses Schuljahres wird an der RS II der musisch-gestaltende/künstlerische Zweig mit Profilfach Werken angeboten. Im Rahmen eines Schulprojekts statteten nun Siebtklässler dieser Wahlpflichtfächergruppe der Schreinerei Stöckert einen Besuch ab.

Interessiert hören Jona, Lea-Maria und Paul den Ausführungen von Markus Stöckert zu. Der Schreinermeister erklärt ihnen gerade, wie eine Reihenlochbohrmaschine funktioniert. Er legt dafür eine Platte auf den Auflagentisch und schaltet die Maschine ein. Der Bohrvorgang beginnt. Eine Reihenlochbohrmaschine dient zum Bohren von Lochreihen in Schrankseiten und für Beschlagsbohrungen in Schranktüren. Nur kurze Zeit später hält Stöckert die Platte wieder in der Hand … nun mit einer präzisen, genauen und sauberen Reihenlochbohrung. Die Siebtklässler sind beeindruckt.

Die Reihenlochbohrmaschine gehört zum Maschinenpark des staatlich geprüften Raum- und Formgestalters, der sich im September 2009 selbständig gemacht hat. Am Mittwoch schauten ihm 45 Siebtklässler mit dem Profilfach Werken über die Schulter. Hierzu gehörten auch Jona Renk, Lea-Maria Wolf und Paul Deckelmann. Sie finden den Unterrichtsgang „eine tolle Sache“. „Man erhält einen Einblick in die Aufgabenbereiche eines Schreiners. Es ist interessant, einmal den Arbeitsalltag vor Ort kennenzulernen“, meint die zwölfjährige Jona. Oft habe man ja falsche Vorstellungen von einem Beruf. Ähnlich sehen es auch die gleichaltrige Lea-Maria und der ein Jahr ältere Paul Deckelmann. Alle drei sind nicht so der Typ, der den ganzen Tag hinter den Computer sitzen möchte. Obwohl sich alle drei in Sachen Berufswunsch noch nicht festgelegt haben, entschieden sie sich bewusst für diesen Zweig. „Ich wollte etwas Handwerkliches machen“, verrät Jona und ergänzt, „etwas, bei dem man das Ergebnis meiner Arbeit sieht.“ Pauls Entscheidung für den Zweig fiel, da Werken sein Lieblingsfach ist. „Wir haben jede Woche drei Stunden Werken. Dabei geht es viel um Theorie, wir machen aber auch Handwerkliches. Das gefällt mir“, erzählt Lea-Maria. Holz sei dabei natürlich nicht der einzige Werkstoff, den sie kennenlernen - sondern beispielsweise auch Ton und Papier; und auch Kunststoffe werden behandelt.

Die Schüler dieses Zweigs lernen die Planung und das Entwerfen von Werkstücken und die Ausführung. Dabei machen sie sich mit den Materialien vertraut und erlernen den fachgerechten Umgang mit Werkzeugen und Geräten. Die Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Stolze 45 Schüler haben sich für dieses neue Angebot entschieden. Laut Fachschaftsleiterin Maria Seubert und ihrer Kollegin Anja Betz lege der Zweig die Grundlagen für Berufe, für die man künstlerische Anlagen und handwerkliche Fertigkeiten braucht. Die Wahlpflichtfächergruppe lege aber keinesfalls die spätere schulische oder berufliche Laufbahn fest.

Auch Markus Stöckert findet es gut, dass dieser Zweig angeboten wird. Sein Kontakt zur Schule besteht seit der letzten schulinternen Ausbildungsmesse, wo er mit einem Ausstellungsstand vertreten war. Als man jetzt wegen eines Unterrichtsgangs bei ihm nachfragte, habe er gerne zugesagt. In einer Präsentation stellte er seinen beruflichen Werdegang und die Arbeitsbereiche seiner Schreinerei vor, deren Hauptschwerpunkt der Innenausbau bildet. Anschließend zeigte er den Schülern seine Werkstatt und stellte ihnen dabei die einzelnen Arbeitsschritte sowie die entsprechenden Maschinen vor.

Der Schreinermeister, der einen Lehrling im dritten Ausbildungsjahr, zwei Gesellen und eine Halbtagskraft beschäftigt, kann sich noch gut an seine eigene Ausbildung erinnern. „Als ich im dritten Lehrjahr war, gab es an der Kronacher Berufsschule zwei Klassen nur mit Schreiner-Lehrlingen aus dem Landkreis. Heute gibt es gerade noch eine Schulklasse in Coburg für die Landkreise Coburg, Lichtenfels und Kronach zusammen“, bedauert der 32-Jährige. Dass nicht mehr so viel ausgebildet wird, habe sicherlich mehrere Gründe. Zum einen scheuten sich manche Betriebe - wohl auch bedingt durch ihre wirtschaftliche Situation - vor einer Ausbildung. Zum Anderen sei es schwer, geeignete junge Leute zu bekommen. Viele von ihnen ziehe es nach der Schule eher in Dienstleistungsberufe als ins Handwerk.

Voraussetzung für den Beruf des Schreiners ist der Hauptschul-Abschluss. Wichtig sei - so Stöckert - die Liebe zum Beruf. „Man muss einfach Leidenschaft dafür mitbringen. Wenn jemand einfach nur den Tag rumbringen will, ist er als Schreiner fehl am Platz“, macht er klar. Nach einem Berufsgrundschuljahr, das die Azubis nur in der Schule verbringen, geht es für die Lehrlinge im zweiten und dritten Lehrjahr in den Betrieb. Handwerker seien in der Öffentlichkeit noch immer nicht so angesehen, wie es ihnen zustehen würde. Solche Berufe seien mit bestimmten Klischees behaftet, dass man hart arbeiten müsse und sich dreckig mache, und so weiter. „Körperlich robust sollte man schon sein und Schreiner ist sicherlich ein anstrengender Beruf“, räumt Stöckert ein, schickt aber gleich hinterher: „Wenn man aber die Leidenschaft für den Beruf mitbringt, dann stehen einem alle Türe und Wege offen.“ hs

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