Siegmund-Loewe-Realschule> Aktivitäten> 2013-14> Realschüler zeigen Zivilcourage
 [Standardversion laden]  [Empfehlung versenden]

Realschüler zeigen Zivilcourage

Celine ist 15 Jahre. "Ich habe schon einmal erlebt, wie sich Erwachsene geschlagen haben. Ich war damals mit Freunden unterwegs, als wir zu einer Schlägerei auf einen Parkplatz dazugekommen sind", erinnert sich die Wallenfelserin. Sie hätten gerade die Polizei rufen wollen, als die Beteiligten dann mit ihren Autos weggefahren seien. Ein Erlebnis, das ihr noch immer nachgeht und an das sie noch immer denkt.

"Ich bin bei der Feuerwehr. Nach den Übungen gehe ich oft um 21 Uhr oder 21.30 Uhr alleine nach Hause. Ich habe da immer Angst", gesteht die 14-jährige Leah aus Dörfles. Ihre gleichaltrige Klassenkameradin Jessica, die aus Neuses kommt, schließt sich ihr an: "Im Winter ist es schon bald dunkel. Wenn ich im Dunkeln allein von meiner Freundin heimgehe, ist das kein gutes Gefühl."

Die drei Mädchen aus der 8 d nahmen wie alle anderen Achtklässler am Gewaltpräventions-Programm "Zivilcourage" teil. Auch sie hatten aufmerksam den Ausführungen von Polizeiobermeisterin Stefanie Sigl sowie Polizeihauptmeister Winfried Felbinger von der Bundespolizeiinspektion Würzburg zugehört.

"Jeder kann dazu beitragen, eine Straftat zu verhindern"
Den Beamten war es ein Anliegen, dass die Schüler wichtige Regeln kennen - insbesondere die Wichtigste: "Hilf, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen!" "Jeder kann dazu beitragen, eine Straftat zu verhindern. Ihr müsst dabei aber umsichtig sein", legte Felbinger den Achtklässlern ans Herz. Niemand erwarte von ihnen, dass sie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzten.

Weggehen oder weglaufen sei aber keine Lösung, wenn andere in Not seien. Wichtig sei es, sich Mitstreiter zu suchen und die Polizei zu verständigen. Keinesfalls sollte man warten, dass schon irgendjemand irgendetwas unternehmen werde. Das sei meist vergeblich - genauso wie einfach in den Raum nach Hilfe zu rufen. "Sprecht die Menschen direkt an - beispielsweise: Sie mit der Brille, helfen sie mir! Dem kann sich niemand entziehen", zeigte sich Sigl sicher.

Man solle den Täter nicht duzen, sonst meinten die Umstehenden, dass es sich um einen persönlichen Konflikt handele. Also besser: "Lassen sie mich in Ruhe!" rufen, selbst wenn man von einem Jugendlichen angegriffen werde. Damit mache man deutlich, dass man denjenigen nicht kennt.

Eine Patentlösung gebe es nicht, weil jede Situation anders sei. "Seid erfinderisch, helft euch mit dem, was ihr gerade dabei habt. Das kann ein Regenschirm sein, eine Handtasche, Rucksäcke, auch Haarspray oder Deo. Senioren können sogar ihren Rollator nutzen", riet Felbinger.

Schrill-Alarm oder Trillerpfeife
Keineswegs dürfe man Pfefferspray, Elektroschocker oder CS-Gas mit sich führen. Gut sei ein Schrill-Alarm - ein viereckiges Kästchen, dessen schriller Ton alles übertöne, oder auch eine Trillerpfeife. Dadurch könne man etwas Zeit gewinnen, um davonzulaufen.

Grundsätzlich sollte man nie eingreifen, wenn Waffen im Spiel seien. Dann muss sofort der Notruf 110 gewählt werden. Je schneller die Polizei informiert werde und je detaillierter die Täterbeschreibung sei, desto besser könnten die Täter ermittelt werden. "Bitte kümmert euch auch um das Opfer. Jedes Opfer muss sofort versorgt werden", so Felbinger.

Als sehr hilfreich erachteten Jessica, Leah und Celine die Tipps der Beamten, beispielsweise sich auf kameraüberwachten Bahnhöfen im Blickwinkel der Kameras aufzuhalten. Auch bei der Standort- und Sitzplatzwahl gebe es einiges zu beachten. "Stellt euch beim Warten auf Bus oder Bahn an eine Wand. Dann könnt ihr sehen, was vor euch passiert, und es kann keiner von hinten kommen", erklärte der Polizeihauptmeister. Auch sollte man immer die Nähe von Menschengruppen suchen.

In der Bahn sollte man sich zu verkehrsschwachen Zeiten nie an das Fenster, sondern immer an den Gang sitzen, um im Notfall davonrennen zu können. Ganz wichtig sei selbstsicheres Auftreten in der Öffentlichkeit. "Eure Stimme ist euer Kapital - je lauter, desto besser. Übt das zuhause", forderte er die Schüler auf.

Auf dem Heimweg sei es ratsam, sein Handy in die Hand zu nehmen, um im Notfall schnell die 110 wählen zu können. Man könne auch jemanden auf seinem Heimweg anrufen oder so tun als ob, dann werde man kaum angegriffen.

Den Schülern, die sich mit Fragen und eigenen Erlebnissen einbrachten, merkte man ihr Interesse an. Auch Jessica, Leah und Celine fanden es gut, dass diese Prävention an ihrer Schule angeboten wird - ein ganz wichtiges Thema, wie sie meinten. Die Tipps seien einfach umzusetzen, man komme aber selbst nicht drauf.

(Quelle: www.infranken.de; Heike Schülein)

 [Standardversion laden]  [Empfehlung versenden]