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Religionsunterricht einmal anders

Trotz Armut glücklich und zufrieden

Am Mittwoch, 30.03.2011 gab es für die Fünftklässler der Siegmund-Loewe-Realschule eine Religionsstunde der etwas anderen Art. Schulrätin Gabriele Marsch vom Schulamt Bamberg berichtete von ihren Besuchen in der Bamberger Partnerschaftsdiözese Thies im Senegal. Initiiert wurde der Vortrag von Religionslehrer Alfred Zwosta.

Lautes Trommeln dringt aus dem Klassenzimmer in der RS II. Die Jungen und Mädchen „trommeln" auf Plastikflaschen, Stühle, Schulmäppchen oder schlagen einfach mit Stiften aufeinander. Und da ist noch Sven, der in seiner Freizeit Schlagzeug spielt. Heute „bearbeitet" er ein Instrument, das er bis gerade eben noch gar nicht kannte, eine Djémbé. Die Djémbé ist eine afrikanische Trommel, deren Korpus aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht. Sie wird nur mit den bloßen Händen angeschlagen. Kein Problem für Sven. Gabriele Marsch hat das Instrument mit in die Klasse gebracht. „Im Senegal wird zu jeder Gelegenheit getanzt, gesungen und getrommelt - ob in der Schule oder zuhause. In Afrika bedeutet Musik Leben. Schließlich ist Musik eine Sprache, die über die Grenzen hinaus verstanden werden kann", erklärt sie und ergänzt: „Denke ich an Senegal, dann denke ich an die Trommeln, vor allem aber an die Gastfreundschaft und Wärme der Menschen". Die Menschen standen auch im Mittelpunkt ihrer Diaschau, mit der sie den Realschülern auf eine sehr anschauliche Art und Weise den westafrikanischen Staat näher brachte. Unter den aufmerksamen Zuhörern waren auch Sibelle Stramaglia, die erst vor einigen Tagen in den Landkreis nach Kronach zog, Leah Löhlein aus Dörfles und Laura Klopfer aus Fischbach.
Sibelle hat vor dem Vortrag ganz wenig über Senegal gewusst. „Eigentlich waren die Ausführungen für mich komplett neu. Bei den ersten Bildern, auf denen Wolkenkratzer hinter dem Atlantik zu sehen waren, habe ich mich jedoch gewundert. Das sah ja eher aus wie New York. So habe ich mir Afrika nicht vorgestellt", meint sie. Die anderen Bilder dagegen, auf denen notdürftige Behausungen, schlechte Straßen und auch weggeworfener Müll zu sehen war, hätten schon eher ihrer Vorstellung entsprochen. „Mir ist aufgefallen, dass die Menschen immer lachen und fröhlich sind, obwohl sie sehr arm sind. Frau Marsch hat erzählt, dass mehr als die Hälfte von ihnen täglich nicht einmal einen Euro zur Verfügung hat. Das kann man sich gar nicht vorstellen", meint sie nachdenklich. Die fröhlichen Menschen in ihrer bunten Kleidung gefielen ihr am besten an dem Land. „Ich finde es schön, dass sie immer zum Feiern zusammen kommen. Schlimm dagegen ist, dass es bestimmt auch reichere Menschen in dem Land gibt, wie man ja an den Hochhäusern gesehen hat. Warum helfen die ihren armen Landsleuten nicht?", fragt sie. Ähnlich sieht es auch Leah. „Die Menschen müssen hart arbeiten und überlegen sich alle möglichen Dinge, um über die Runden zu kommen. Fast alle haben eine kleine Landwirtschaft und versuchen, etwas zu verkaufen. Es ist daher unfair, dass sie trotzdem so wenig Geld haben", findet sie und ergänzt: „Deutschland ist ein viel reicheres Land. Daher sollten wir mehr spenden, schließlich haben wir ja mehr als genug." Traurig finde sie, dass viele Kinder nicht die Schule besuchen könnten, da ihre Eltern kein Geld dafür hätten. Laura zeigt sich schockiert von den Straßenverhältnissen im Land: „Das sind ja gar keine richtigen Straßen. Eine Beleuchtung gibt es auch nicht. Und die ganzen Löcher. Es ist kein Wunder, dass dort so viele schwere Unfälle passieren", meint sie. Auch dass es keine Müllabfuhr dort gebe, finde sie ganz schlimm. „Der Müll wird nur auf einen Platz gekippt. Durch den Wind wird er verteilt und liegt dann überall herum", weiß sie. Am Schrecklichsten ist aber, dass viele Menschen versuchen, in „Mini-Booten" über die Grenze zu kommen. „Sie müssen in einem kleinen wackligen Boot, das überfüllt ist, mehrere Tage im Atlantik ausharren. Dann kommen sie, wenn sie Glück haben und es schaffen, endlich in einem anderen Land an. Dort sind sie bestimmt nicht sehr willkommen, obwohl sie ja nur Arbeit suchen und eigentlich keine andere Wahl haben", ist sie sicher. Auf jedem Fall müsse man diesen Menschen helfen. Alle drei sind sich einig, dass der Vortrag sehr interessant und kurzweilig war. „Wir haben viel gelernt, sogar etwas die Sprache", lachen sie und geben gleich eine Kostprobe: „Die Leute begrüßen sich mit „Nanga deff", das heißt: „Hallo, wie geht¿s". Als Antwort erhalten sie „Mangi firek" - was übersetzt bedeutet „Ganz gut". hs
Der Senegal
Sein Territorium ist etwa halb so groß wie Deutschland. Es erstreckt sich von den Ausläufern der Sahara im Norden bis an den Beginn des tropischen Feuchtwaldes im Süden, sowie von der kühlen Atlantikküste im Westen in die heiße Sahel-Region an der Grenze zu Mali. Die südlichen Landesteile des französischsprachigen Senegal werden durch den tief in den Osten reichenden englischsprachigen Kleinstaat Gambia abgetrennt. Der Senegal ist seit dem 12. Jahrhundert ein Teil der islamischen Welt und auch heute bekennen sich mehr als 90 % der 12 Millionen Einwohner des Landes zum Islam. Nachdem die Region von mehreren afrikanischen Reichen beherrscht wurde, wurde sie im Jahre 1895 zur ersten französischen Kolonie in Afrika. Am 20. August 1960 wurde Senegal unabhängig; es behielt ein Mehrparteiensystem bei und wurde zu einem der wenigen demokratischen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Die durch die Kolonialzeit bedingte Abhängigkeit von wenigen Exportgütern wie Erdnüssen, Phosphaten und Fisch, rasches Bevölkerungswachstum und Staatsverschuldung führten ab den 1980 Jahren jedoch zu Verarmung und wachsenden sozialen Spannungen. Somit wurde der Senegal abhängig von Krediten der Industrie- und Erdölländer sowie von Entwicklungshilfe.

 

"Afrikanische Klänge" an der RS II: Während Sven auf die Djémbé schlägt, trommeln seine Klassenkameraden auf allen möglichen Gegenständen. Mit im Bild ist Schulrätin Gabriele Marsch vom Schulamt Bamberg.
Unter den aufmerksamen Zuhörern waren auch Sibelle Stramaglia, Leah Löhlein und Laura Klopfer.
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