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im Schuljahr 2007-08
3. Platz beim Schülerzeitungswettbewerb
im Schuljahr 2006-07

Zur Geschichte der Schülerzeitung - geschrieben von Herrn Peter Steinhäußer

Sie können ruhig weiterlesen - es wird keine „Geschichte der deutschen Schülerzeitung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft"- es sind nur ein paar Erinnerungen eines pensionierten Lehrers, der viele Jahre Berater der Schülerzeitung war.
Manche Schülerinnen und Schüler kennen mich vielleicht noch als Konrektor, mit der Schülerzeitung bringen sie mich aber nicht mehr in Verbindung, denn meine Tätigkeit geht in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück.
Wie kam ich eigentlich zu dieser Aufgabe?
Eines Tages kam ein Schüler aus einer 9. Klasse zu mir, er hieß Ronny und er hatte einen Karton in der Hand. Damals vermutete man nicht gleich einen Bombenleger, wenn ein Schüler mit einem Karton auf einen zukommt, so ging ich mit Ronny und dem Karton in das Elternsprechzimmer. In dem Karton waren Artikel, Zeichnungen, Fotos, Witze, Anzeigen - alle Einzelteile einer Schülerzeitung. Die Redaktion hatte sich zerstritten - Ronny war als Chefredakteur allein übrig geblieben(und der Karton!). Da ich zu dieser Zeit den Jahresbericht der Schule machte, hatte ich entsprechende technische Kenntnisse und auch Verbindungen zu einer Kronacher Druckerei. Ich setzte mich also an vielen Nachmittagen mit Ronny zusammen - damals musste man noch alle Artikel mit einer mechanischen Schreibmaschine tippen, korrigieren, in ein Raster einpassen, ein Layout machen usw. usw.
Wir beide, Ronny und ich, wurden dabei fast Kumpels. Ich hatte ihn nicht im Unterricht, aber wenn wir uns vormittags im Schulhaus begegneten, nickten wir uns kumpelhaft zu.
Die Schülerzeitung war wiedergeboren, sie hieß auch wieder wie früher „Leerwavn".
Eine Redaktion entstand auch wieder. Als Ronny dann (ohne Ehrenrunde) die Schule mit dem Abschluss verlassen hatte, kam eine echte „Frauenpower" in die Redaktion. Sie bestand nur aus Schülerinnen. Chefredakteurinnen waren Christine und Barbara. Als erstes änderten sie den ihrer Meinung nach altmodischen Titel und erfanden „20 vor 1". Die beiden vertraten feministische, grüne und sonstige revolutionäre Standpunkte, ich hätte ihnen nicht zugetraut, dass sie auch nur ein Spiegelei zubereiten könnten. Weit gefehlt! Bei unseren Redaktionssitzungen im Zeichensaal brachten sie eine große Schüssel mit einem altdeutsch-fränkischen Kartoffelsalat mit, den sie nach einem alten Rezept selbst zubereiteten. Ich habe weder vorher noch nachher einen so guten Kartoffelsalat gegessen und glaubte wieder fest an Deutschlands Zukunft. Doch leider ging auch diese Zeit mit dem erfolgreichen Abschluss der Powerfrauen zu Ende.
Später erinnere ich mich noch an zwei geschäftstüchtige männliche Redakteure, die erkannten, dass man mit einer Schülerzeitung auch etwas verdienen kann. Sie sammelten unaufhörlich Anzeigen aller Kronacher Firmen, Geschäfte, Banken. Die Schülerzeitung glich dann allerdings dem „Gelben Blättchen", der Verkaufspreis wurde auch erhöht. Die beiden Chefredakteure sind vielleicht heute erfolgreiche Banker und Börsianer, Journalisten sind sie vermutlich nicht geworden. Beim Verkauf der Schülerzeitung erinnere ich mich, dass wir einige hundert Mark Gewinn erwirtschafteten. Wir konnten damit sogar in der letzten Schulwoche für alle Mitarbeiter eine Zugfahrt nach Bamberg finanzieren .
Noch ein eifriger Mitarbeiter ist mir in Erinnerung geblieben. Er hieß Matthias und sammelte Witze. Diese schnitt er aus allen möglichen Zeitungen und Zeitschriften aus und bewahrte sie in einer Plastiktüte auf. Ich habe dann alle Witze gelesen und sortiert, so wie man Pilze sortiert in essbare und ungenießbare Exemplare. Mein Kenntnisstand an Witzen (auch schlechten!) muss damals enorm gewesen sein.
Warum habe ich dann aufgehört als beratender Lehrer?
Es war nicht, weil ich Konrektor geworden bin, nicht, weil ich überlastet war oder gar burnout -nein-es fiel mir einfach nichts Neues mehr ein! Und dann soll man aufhören!
Wenn Sie als Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen einmal ein so altes Exemplar dieser Schülerzeitungen in die Hand bekommen, dann vergleichen Sie es bitte nicht mit den heutigen Ausgaben. Wir hatten damals weder einen Computer noch ein Handy noch eine Digitalkamera. Einen VW-Käfer der sechziger Jahre kann man auch nicht mit einem Porsche von heute vergleichen.
„Gedenkt unser mit Nachsicht!" (Bert Brecht)

Es grüßt herzlich

Peter Steinhäußer
Realschulkonrektor a.D.

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