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Schüler sahen mit allen Sinnen


Unter dem Motto „Wir sehen uns" machte der Erlebnisgang der Christoffel-Blindenmission (CBM) mit dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSV) Station an der Siegmund-Loewe-Schule in Kronach. Die Schülerinnen und Schüler der 6. Jahrgangsstufe erlebten dabei die Welt aus der Perspektive blinder Menschen.

Vorsichtig tastet sich Eva nach vorne. Es ist Donnerstagmorgen und die Sonne scheint. Obwohl es taghell ist, kann die Elfjährige nicht sehen, wohin sie läuft. Ausgestattet mit einem Taststock und einer Brille, die den Grauen Star im Endstadium simuliert, geht die Schülerin des Frankenwald-Gymnasiums durch das CBM-Erlebnismobil - zehn Meter, auf denen eine Mülltonne, eine Stufe oder ein Gitterrost zur echten Herausforderung wird.
„Das war cool, ein echtes Erlebnis. Ich habe nur ganz schwach die Umrisse gesehen und überhaupt nicht gewusst, was da vor mir ist", erzählt die Marktrodacherin sichtlich beeindruckt. Nur durch das Tasten und Hören habe sie einigermaßen Orientierung gefunden. Dass sich beispielsweise der Untergrund ändert, habe sie zunächst nur anhand der Geräusche gemerkt, als sie mit dem Stock an die Steine stieß. Wie Eva zugibt, sei sie schon ein wenig aufgeregt gewesen und ihr Herz hätte etwas höher geschlagen, als sie vorher die Brille aufbekam. „Neben den Wänden war das Vorwärtskommen einfacher. Ich konnte mich an ihnen besser entlang tasten. Da habe ich mich etwas sicherer gefühlt. Aber in der Kurve habe ich überhaupt nicht gewusst, wie es weitergeht. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man - ohne etwas zu sehen - einen unbekannten Weg geht", räumt sie ein und ergänzt: „Das war eine interessante Erfahrung. Aber jeden Tag möchte ich das nicht machen. Ich bin sehr froh, nun wieder „sehen" zu können."
„Wir sehen uns" - Unter dieser Überschrift stand auch die Schulaktion, die im Rahmen der bundesweiten Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2012 an mehreren bayerischen Schulen stattfindet. Dabei soll Verständnis für die Situation blinder und sehbehinderter Menschen entwickelt und das Sehvermögen als etwas Wertvolles und nicht Selbstverständliches entdeckt werden. Die Aktion in Kronach erfolgte auf Einladung des evangelischen Bildungswerks der Dekanatsbezirke Kronach - Ludwigsstadt - Michelau, dessen Geschäftsführer Joachim Wegner ebenfalls anwesend war. Hauptverantwortlich seitens der Schule zeichnete der Konrektor der RS II, Franz Mairoser. Neben der eigenen Erfahrung des Blindseins bekamen die Sechstklässler auch Tipps für den Umgang mit blinden Menschen. Es wurden Blindenhilfsmittel vorgestellt. Sie lernten die Blindenschrift kennen und erfuhren viel über die Ursachen vermeidbarer Blindheit.
Staunend hörten die Kinder Jörg Grünbeck zu, der an Retinitis Pigmentosa - eine Krankheit, bei der sich die Netzhaut auflöst - leidet. Der Förtschendorfer hatte seinen Blindenhund „Sam" dabei, der seit 2008 zur Familie gehört. Sam sei sein wichtigstes Hilfsmittel. „Er ist eine große Erleichterung mich. Der Hund sind meine Augen. Ich kann mich auf ihn hundertprozentig verlassen", lobte Grünbeck. Sam beherrscht rund 40 Befehle. Anweisungen wie „Such Zebrastreifen" oder „Such Ampel" sind ebenso kein Problem für ihn, wie Grünbeck zu bestimmten Lokalitäten zu führen. Auch Bahnfahrten nach Bamberg oder Nürnberg kann er mit dem Hund meistern. Trotzdem verhehlt er nicht, dass es nicht immer ohne menschliche Hilfe gehe. Rainer Hader, der an derselben Krankheit leidet, hat keinen Blindenhund. Dafür beherrscht er im Gegensatz zu Grünbeck die Blindenschrift. Der stellvertretende oberfränkische Bezirksgruppenleiter stellte das umfangreiche Hilfs- und Selbsthilfeangebot des BBSB vor, der in jedem Landkreis über Blinden- und Sehbehindertenberater verfügt. Die Schüler, so auch Eva, zeigten sich beeindruckt. Anerkennend meint sie: „Ich finde es beeindruckend, wie beide ihr Leben meistern. Das ist ganz toll. Ich habe da ganz viel Respekt dafür."

hs

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