Von Dieben, Mördern und sehr schüchternen Mädchen
Besuch der Theaterpädagogin Yvonne Schwartz bei der Schulspielgruppe der RS II.
Am Dienstag, 9. November 2010, traf auf Einladung des verantwortlichen Schulspielleiters, RSL Thomas Hauptmann, Frau Yvonne Schwartz, Theaterpädagogin des Landestheaters Coburg, an der Siegmund-Loewe-Schule ein, um mit 17 Schulspielerinnen und Schulspielern in einem 90-minütigen Workshop die Grundlagen des Theaterspielens spielerisch und verständlich zu erforschen.
In ihrem ersten Spiel ging es der jungen Regisseurin, die gegenwärtig mit einem Theater-/ Klassenzimmerstück zum Thema „Mobbing" überaus erfolgreich ist, um die stumme Verständigung zwischen den Schauspielerinnen und Schauspielern auf der Bühne. Die Mädchen und Jungen wurden aufgefordert, der Reihe nach bis zehn zu zählen, wobei der Clou darin bestand, dass es keine vorab besprochene Reihenfolge gab. Einer musste also anfangen, andere folgen. Nannten dabei mehrere gleichzeitig die nächste Zahl, dann ging es augenblicklich bei Eins wieder los. Es dauerte geraume Zeit, bis ein stummer Code aus Blicken und Deuten zum gewünschten Ziel führte.- Die erste Hürde war genommen.
Im Anschluss daran wurde in die Mitte der im Kreis sitzenden Schülerinnen und Schüler ein Wertgegenstand - die Digitalkamera des Schulspielleiters - gelegt und ein blinder Wächter bestimmt. Seine Aufgabe bestand darin, aufmerksam auf Umgebungsgeräusche zu achten und in die Richtung zu zeigen, aus der sich der von Frau Schwartz bestimmte Dieb näherte. Als es schließlich einem, auf leisen Sohlen sich anschleichenden Spitzbuben gelang, den Diebstahl durchzuführen, musste der Wächter, Julia Kalb aus der Klasse 6b, herausfinden, wo der Täter Platz genommen hatte. Julia gelang es, Lisa Weigel aus der 8c zu entlarven, da sie ihren Sitzplatz im Raum verändert hatte.
Die Schulspielerinnen und Schulspieler blieben danach dem kriminellen Milieu treu, denn nun ging ein Mörder um. Dazu verteilten sich alle im Raum, streckten ihre Hände aus und schlossen die Augen. Jetzt galt es, im Klassenzimmer umherzulaufen, rempelte man sich versehentlich an, gab man sich blind die Hand als Geste der Entschuldigung. Frau Schwartz tippte, als alle die Augen geschlossen hatten, eine Schülerin an, die nun als Mörder umherzog und sich stets mit einem kräftigen Händedruck ihren „Opfern" zu erkennen gab. Wer diesem Mörder begegnete, musste geräuschvoll sterben, sodass die anderen Schülerinnen und Schüler diese Ecke des Zimmers mieden. Ziel des Spiels war es, alle „Opfer" zu erwischen. - Unbarmherzig räumte Jasmin Pöhnlein aus der 8d auf, bis nur noch Noah Schorn (6c) und Anna Schreiber (9c) übrig waren. - Ein Spiel, das alle begeisterte!
Zur Entspannung nahmen danach alle im Kreis auf dem Boden sitzend wieder Platz und sollten sich eine Geschichte erzählen, indem nacheinander jeder einen Satz sagen musste, der auf dem vorherigen aufbaute. Auf diese Weise entstanden teils wahnwitzige Erzählungen, u.a. von einem Bären, der von einem Lastwagen überrollt wurde.
Die Veranstaltung erreichte ihren thematischen Höhepunkt mit der Aufgabe, eine Rolle zu entwickeln. Dazu erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Fragebogen, der ihnen helfen sollte, sich ihrer selbst gewählten Figur zu nähern. Um 14:00 Uhr war es dann soweit. Die Schulspielerinnen und Schulspieler standen auf und liefen, ihre Rolle laut aufsagend durch das Klassenzimmer. Dabei galt es auch, den Gang der Figur treffend zu gestalten. In der Abschlussrunde stellte sich jetzt jede Figur der Reihe nach den anderen vor. Interessanterweise kam dabei heraus, dass sich viele zufällig für die Rolle des schüchternen Mädchens, gezeichnet von schweren Schicksalsschlägen, entschieden hatten. Drastische Gegenstücke dazu waren sicherlich der frisch verliebte 97-jährige Greis, verkörpert von Madlen Sander aus der Klasse 9c, sowie die sechsjährige, nassforsche Göre Susi, dargestellt von Janin Langner aus der Klasse 6a.
Für alle Beteiligten endete damit auch schon der 90-minütige Workshop, der dem Schulspielleiter spannende, humorvolle und aufschlussreiche Einblicke in das Leistungspotential der Schulspielgruppe gab und für kommende Projekte hoffnungsfroh stimmte. Eine Wiederholung dieser Zusammenarbeit mit der Theaterpädagogin des Landestheaters Coburg sollte daher auch für die Zukunft beibehalten werden. HPM